Mehr als Möbelhaus, Köttbullar und Pipi Langstrumpf

Wenn man Leute über Schweden befragt, werden wohl meist positive Verknüpfungen in den Geist fließen. Das vorbildliche Sozialsystem, der hohe Bildungsgrad, das beliebte Möbelhaus IKEA, Pipi Langstrumpf oder vielleicht der unterhaltende Youtuber Pewdiepie. Alles tolle Sachen, nur bringt das dem Besucher relativ wenig. Für mich steht daher an erster Stelle die unberührte Natur, die von riesigen Waldflächen, Seen, Hügeln und grünen Wiesen geprägt ist. Und wie erfährt man diese besser als durch Campen? Eine Woche Schweden, 2 Autos, 6 Studenten.

© Mathias Walter

© Pascal Segura

Die Reise hat gerade erst begonnen und schon die ersten „Probleme“

Bei der Vorbereitung gab es schnell ein Dilemma. Zwar war im Auto mehr als genug Platz für die 10. Suppendose und das 3. Paar Schuhe, schleppen möchte man sowas jedoch nicht. Dass selbst das Nötigste am Ende knapp 20kg am Rücken gewogen hat wurde hingenommen. Zumindest solange man den Rucksack nur von zu Hause in den Kofferraum schleppen musste. Ich war trotz leichter Verkühlung bereit, campen kannte ich jedoch hauptsächlich von Festivals und allgemein war ich einen eher hohen Komfort gewöhnt. Aber man ist ja anpassungsfähig, jung und motiviert. Tank voll, Navi geladen, auf zur Fähre an der Spitze von Rügen! Am Abend ging die Fahrt über die Ostsee los und damit jegliche Verbindung zur Außenwelt flöten. Letztes mal auf Facebook ausgelutschte Sprüche gelesen, auf Whats App den Status auf “nicht erreichbar” geändert und noch einen guten Song auf Soundcloud vorladen lassen, dann war ich off. Jetzt musste man miteinander reden, oder so tun als ob man schlafen würde. In 5 Stunden in Trelleborg angekommen, mit dem Auto zum nächsten freien Parkplatz und die unfassbare Weite der Milchstraße bewundert - herrlich. So einen schönen Nachthimmel hatte ich schon lange nicht mehr gesehen.

© Jan Balanya

© Jan Balanya

Erster Stopp und gleich zum verlieben

Es ging 250 Kilometer in den Norden zum Dorf Unnaryd, angrenzend an ein größeres Seengebiet. Jetzt kamen noch die schweren Entscheidungen, was man mitnehmen solle. All das Gepäck zusammengeschnürt, um das Becken befestigt und los gehts. 

But I would walk 500 miles

And I would walk 500 more

Just to be the man who walks a thousand miles

To find the best camping floor”

Eingestampfte Waldwege waren zwar immer wieder zu finden, am schnellsten ging es jedoch einfach quer durch den Wald. Teils waren die Wälder sehr dicht und falls man mit einer kurzen Hose unterwegs war gleichte das Unterbein einer zerschnittenen Küchenplatte. Die Route und die Gegend waren eher flach, Aussichtspunkte gab es nur von gebauten Holzplattformen. Aber spätestens beim ersten unberührten See, der noch dazu einige zierliche Inseln hatte, wurde das Freiheitsgefühl größer. Zelte aufschlagen, nach vertrockneten Ästen suchen und das erste Lagerfeuer anzünden. Es war Ende August, die Tage waren noch sehr lang und angenehm warm, in der Nacht konnte es jedoch ziemlich frisch werden.

© Mathias Walter

© Mathias Walter

© Mathias Walter

© Pascal Segura

Das Wasser steht mir bis zum Hals

Neuer Tag, neue Wanderung, neues Glück? Nicht ganz, denn nach ein paar Stunden durch den Wald waren wir umringt von einem riesigen Sumpfgebiet. An sich kein Problem, wenn man bei jedem Schritt 40 Centimeter absinkt. Vor allem da meine Laufschuhe sehr luft- und wasserdurchlässig waren und ich so ein kühles Fußbad nach dem anderen erleben durfte. Jedoch ab dem Zeitpunkt in dem jeder Schritt über einen Meter in die Tiefe ging, wurde es etwas abenteuerlich. Mit Baumstämmen mussten wir uns einen Weg legen, an Ästen festhalten und über Hindernisse springen. An sich lustig, bei 20kg Gepäck aber gar nicht so einfach. Einmal hat es mich erwischt, bis zur Brust im Wasser, Hauptsache der Rucksack war gut abgedeckt.

© Yann Gottwald

© Mathias Walter

© Pascal Segura

Zelten, Rudern und auf einmal bei der Küste

Am Abend haben wir dann erstmals wieder Häuser gesehen und kurz einen Plausch mit Einheimischen geführt, die uns alle unsere Wasserkanister aufgefüllt haben. Dann ging es weiter zum nächsten See. Hier standen zu unserem Glück noch zwei alte Ruderboote herum, mit denen wir die teils dicht bewaldete Umgebung aus sicherer Entfernung betrachten konnten. Zelte aufschlagen, Lagerfeuer an, Sternenhimmel, keine Wolke am Himmel, angenehme Temperaturen, genau wegen solchen Momenten sind wir aufgebrochen! Da uns die Lage so gut gefallen hat, entschieden wir uns die Umgebung zu erkunden und noch eine Nacht hier zu verbringen. Am darauffolgenden Morgen wurden wir lautstark von einer Schafherde geweckt, die durch die Büsche zu uns gelangt sind. Die Wolken wurden dichter und der Regen ließ nicht lange auf sich warten, wir entschieden wieder zurück zum Startpunkt zu wandern. Aufgrund der richtigen Regenausrüstung sind wir sogar recht trocken angekommen und diskutierten über die weitere Route. “Auf zur Küste, zur Befriedigung der visuellen Gelüste” zwitscherte uns ein Vogel ins Ohr. Voller Freude fuhren wir also Richtung Westen. An der Küste angekommen waren wir in einem riesigen Gebiet voller Kaninchenbauten. Wir hätten hier gerne unsere Zelte aufgeschlagen, der Wind machte dies jedoch schier unmöglich. Auf der Suche nach einem idyllischen Rückzugsort, lag auf einmal ein See vor uns. Schwimmen waren wir bei den frischen Wassertemperaturen schon mehrfach, diesmal aber nur ganz kurz rein zum Waschen.

© Mathias Walter

© Mathias Walter

© Mathias Walter

© Jan Balanya

Dreckige Kleidung, nasse Füße, tolle Erinnerungen

Eine Dusche hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon seit 4 Tagen nicht mehr gesehen. Einkaufen waren wir inzwischen einmal, von dem Tomatensuppenpulver hatte schon jeder mehr als genug und ein paar frische Früchte sorgten bei der Ernährung für Abwechslung. Sonst haben wir meist Wasser mit dem Gaskocher erhitzt und Nudeln, Linsen und Fertigdosen zubereitet, frische Steaks wurden beim Lagerfeuer erhitzt. Die Versorgung machte uns nicht zu schaffen, vielmehr die mehrfach getragene, durchnässte und verdreckte Kleidung. Am Lagerfeuer wurden am Abend alle nassen Sachen getrocknet oder auf Ästen aufgehängt, vor allem den Schuhen musste öfters das Wasser entzogen werden. Mit einem Paar ist es manchmal schon recht unangenehm, passiert ist jedoch nichts. Letzte Nacht am See verbracht, am nächsten Tag folgte eine schöne Wanderung durch die Wälder um anschließend genug von der Natur gehabt? Nicht zwingend, die Wetteraussichten waren jedoch alles andere als rosig und ein Freund hatte eine große Zecke am Rücken. Also fuhren wir zum nächsten Ort für eine Behandlung, holten noch etwas Proviant und diskutierten über den weiteren Verlauf. Göteborg war in annehmbarer Entfernung und unser wildes Campen hatte ein Ende. Zwei Nächte Göteborg, ein Tag Malmö und zu Ende war das Abenteuer.

© Mathias Walter

© Yann Gottwald

Mühelos & sorgenfrei

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