Oh Amsterdam, oh Amsterdam

Wenn der Name Amsterdam über das Innenohr zu unserem Bewusstsein stößt, flattern so manch Gedanken in den Vordergrund. Die Gedanken entstammen oft aus gesellschaftlich geprägten Vorurteilen, die uns über Medien und Mitmenschen vermittelt wurden. Auch die eigene Wahrnehmung verändert sich durch unsere Erwartungshaltung, auf vorhandene Stereotypen wird genauer geachtet. Doch was sind die typischen Dinge an die man bei Amsterdam denkt und welche davon sind überhaupt noch gerechtfertigt? Ich werde Vorurteile, die ich selber vor meiner Ankunft in mir getragen habe überprüfen.

Liberal nur auf dem Papier?

Zwei Punkte sind notwendig um als liberales Land zu gelten - Die Rechtslage muss entsprechend angelegt sein und die Ideen von einer liberalen Gesellschaft müssen in den Köpfen der Leute verankert sein. Die zwei Punkte fördern einander, sind aber nicht von der Gegenseite abhängig. In Amsterdam treffen beide Punkte zu, Gesetze bezüglich Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Prostitution und psychoaktiven Substanzen sind nicht diskriminierend, sondern mit viel Toleranz versehen. Ein gutes Beispiel ist die Amsterdam Gay Pride (siehe Bilder), welche Akzeptanz für die LGBT-Community mit Veranstaltungen und Umzügen vermitteln möchte und für ein gemeinsames Zusammenleben appelliert. Diese Akzeptanz gegenüber dem Ausleben persönlicher Interessen, solange dabei keiner außenstehender Person geschadet wird, sorgte unter anderem dafür, dass Amsterdam die Stadt mit den meisten Nationalitäten der Welt ist. Menschen aus rund 180 Ländern leben in der nicht allzu großen Stadt, zum Vergleich hat New York Bürger aus 150 Nationalstaaten. Diesen Multikulti spürt man auch. Man findet Restaurants aus Ländern, deren Standort man kaum bestimmen kann, man trifft Leute aus verschiedensten Kulturen, die ein komplett unterschiedliches Weltbild und einzigartige Geschichten mit sich tragen. Trotzdem finden sich im Kern der Menschen viele Gemeinsamkeiten, mit denen man nicht gerechnet hätte. Ob in einer Bar, bei einem Konzert oder in der Metro, ich hatte schon tolle Konversationen mit Menschen, die auf den ersten Blick komplett konträre Werte vermitteln. Um dieses Zusammenleben zu ermöglichen unterstützt uns die wunderbare englische Sprache, welche von Menschen aller Altersklassen und Kulturen gesprochen wird. 

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© Travelbird

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© TravelBird

Alle auf dem Rad?

Dass Amsterdam als die Fahrradhauptstadt der Welt bezeichnet wird, liegt nicht zuletzt daran, dass es hier mehr Fahrräder als Einwohner gibt. Dieser Fakt wurde von dem Aufbau der Stadt bedingt. Die Straßen im Zentrum sind zu großen Teilen einspurig, Autos kommen aufgrund der schmalen Spuren, den vielen Kanälen und der vielen Fahrradfahrer schwer voran. Parkplätze sind wenig vorhanden, hohe Parkgebühren sind Standard. Fahrradfahrer haben Vorrang gegenüber Autos, die rechts abbiegen wollen, wenn sie die Straße geradeaus weiterfahren. Außerdem ist auf fast allen Fahrradspuren Platz für 2 nebeneinander fahrende Fahrer. Klingt alles nach Fahrradfreundlichen Bedingungen und viel Spaß? Nicht unbedingt, denn der Verkehr auf den Spuren ist oft nicht ohne. Mopeds dürfen auf diesen fahren und zischen nur so an einem vorbei, das allgemeine Trettempo ist sehr hoch und kaum jemand fährt mit einem Helm. Man achtet auf das Gegenüber und gewöhnt sich zwar schnell an die Umstände, Neuankömmlinge sollten bei den ersten Fahrten jedoch die Fahrmentalität beobachten und verstehen lernen. Den hier sind die Straßen bei jedem Wind und Wetter voller Drahtesel.

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© Mathias Walter

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© Dennis van de Water

Was riecht denn hier so duftig?

Wohl eines der Wahrzeichen der blühenden Stadt ist die Cannabis Pflanze. Man riecht sie in fast jedem Park und wenn man durchs Zentrum fährt, findet man an fast jeder Ecke einen Coffeeshop. Amsterdam gilt als Cannabis Hauptstadt Europas, die Niederlande sind das einzige europäische Land welches den Verkauf von Gras als Genussmittel duldet. Die Pflanze ist dabei einer der größten Wirtschaftsmotoren der Stadt, der Drogentourismus spült jährlich Millionen in die Staatskassen, durch Steuern beim Verkauf in Coffeeshops und eingesparten Polizeieinsätzen bei Dealern profitiert der Staat außerdem. In der Stadt sieht man unzählige Produkte die Cannabis repräsentieren. Egal ob auf einer Schokolade, dem Regenschirm, einer Teekanne oder als Handyhülle, das Cannabis Blatt ist hier allgegenwärtig. Das Thema wird dabei nicht tabuisiert oder verteufelt, sondern man bewertet Cannabis ganz neutral wie zum Beispiel Alkohol. Ein großer Irrglaube ist, dass durch die liberalen Gesetze der Konsum verhältnismäßig hoch ist. Rund 15% der erwachsenen Einheimischen haben im letzten Jahr Cannabis konsumiert, im Vergleich dazu liegen die Franzosen (22%), Tschechen (24%) oder Spanier (17%) über diesem Schnitt. Zwar ist die Substanz in der Gesellschaft akzeptiert, die größere Verfügbarkeit fördert dennoch nicht den missbräuchlichen Konsum. Die Anzahl der Drogenabhängigen ist in den Niederlanden im europäischen Schnitt unterdurchschnittlich, im Vergleich zu den USA sind weniger als die Hälfte abhängig. Diesen Eindruck bekommt man auch schnell wenn man mit Holländern redet, die oft auf den hohen Konsum der Touristen verweisen und selbst von den Vorurteilen genervt sind.

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© Mathias Walter - Bulldog

Ist die Natur wirklich so abwechslungsarm?

Es ist bekannt, dass Amsterdam und Umgebung sehr flach sind, die Folge sind viele bebaute Gebiete und landwirtschaftliche Nutzfläche. Als Naturliebhaber habe ich mir nicht viel mehr als ein paar Wälder erwartet. Tatsächlich sind diese meist das höchste der Gefühle, Wasserlandschaften verleihen den Gebieten jedoch etwas ganz besonderes. Im Norden von Amsterdam liegt das Naturgebiet Ilperveld, welches sich aus unzähligen Inseln und Sumpfgebieten zusammensetzt. Hier trifft man seltene Vögel und Pflanzenarten, die man am besten mit dem Fahrrad oder einem Boot entdecken kann. Im Westen gibt es kurz vor dem Meer unberührte Dünenlandschaften, die sogar von Schottischen Hochlandrindern bewohnt werden. Die Stadt selbst hat 40 Parks, entlang der Kanäle aber auch auf den meisten Straßen sind Bäume gepflanzt. Zusammengefasst kann man sagen das die Stadt sehr grün ist, Seen, Wälder und Wasserlandschaften liegen im direkten Umkreis. Besonders eindrucksvolle Landschaftszüge oder Naturschauspiele darf man sich jedoch nicht erwarten.

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© Mathias Walter

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